VdK


Rede von Bürgermeister Wolfgang Harling

Volkstrauertag, 19. November 2017

Meine Damen und Herren, liebe Hellweger!

 Ich freue mich, dass Sie/Ihr heute, trotz des schlechten Wetters, zur diesjährigen Gedenkfeier zum Volkstrauertag erschienen seid.

 Die Gedenkfeier wird diesmal etwas anders gestaltet als gewohnt, weil Frau Meixner erkrankt ist und ich deshalb die Ansprache zum Volkstrauertag halten werde.

 Ich habe Frau Meixner schon im Namen von uns allen eine baldige und vollständige Genesung gewünscht und hoffe, dass sie schon sehr bald wieder bei uns sein kann.

 

Frau Meixner hat ein Grußwort für uns verfasst, das ich am Ende meiner Rede verlesen werde.

 

Liebe Teilnehmer der Gedenkfeier zum Volkstrauertag!

 „Frieden und Freiheit, das sind die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz.“ Mit diesem Wort von Konrad Adenauer möchte ich Sie auf der heutigen Gedenkstunde zum Volkstrauertag herzlich begrüßen.

 

Ich danke Ihnen, dass Sie heute hierhergekommen sind, um der vielen Frauen, Männer und Kinder aus unserem Land und vielen anderen Ländern zu gedenken, die Opfer von Krieg und Gewalt geworden sind.

Wir gedenken der gefallenen Soldaten und der getöteten Zivilisten im ersten und zweiten Weltkrieg.

WirWir erinnern an Menschen, die in der Gefangenschaft oder auf der Flucht umkamen, die als Juden oder als Mitglieder ethnischer Minderheiten verfolgt wurden und wir gedenken der Männer und Frauen, die ihren Widerstand gegen die Diktatur mit ihrem Leben büßen mussten.

 

Der Volkstrauertag als jährlicher Gedenktag verliert aber seinen Wert, wenn er nur für rückwärts gerichtete Gedanken steht.

Er soll unseren Blick nach vorn richten!

Wir erinnern uns vergangener Tragödien, um für die Zukunft gewappnet zu sein!!

 

Die Frage nach Krieg und Frieden ist aktuell geblieben!

Die Kriege dieser Welt, werden uns jeden Abend frei Haus mit den Nachrichten im Fernsehen ins Wohnzimmer geliefert.

Flüchtlingsströme aus aller Welt sind unterwegs und machen eines deutlich - Frieden ist noch lange nicht.

 

Liebe Anwesende!

 Heute ist ein Tag und ein Anlass, an dem ich froh wäre, wenn mir auch bei längerem Nachdenken kein aktueller Bezug, kein Ereignis aus jüngster Zeit einfiele, über das ich sprechen könnte.

Auch jetzt, während wir uns zu einer stillen Stunde des Innehaltens, der Trauer und des Erinnerns versammelt haben, kämpfen woanders Menschen um ihr Leben oder sind in ihrer Freiheit bedroht, ob in Syrien, Afghanistan, Myanmar, der Ukraine und in den Weiten Afrikas.

 

Es gibt niemals eine Rechtfertigung dafür, einen Krieg zu beginnen. Kriege werden fast immer nur aus wirtschaftlichen oder aus puren Machtinteressen geführt!

Wie barbarisch, menschenverachtend und verantwortungslos solche Interessen durchgesetzt werden, möchte ich anhand des Konfliktes im Jemen darstellen.

 

Zwischen Deutschland und einer der weltweit schlimmsten humanitären Krise liegen gut 5000 Flugkilometer. Weit genug offenbar, dass der Jemen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine nennenswerte Rolle spielt. Dabei ist die Lage im Armenhaus der arabischen Welt verheerend.

Seit gut drei Jahren herrscht dort ein erbarmungsloser Bürgerkrieg, der sich längst zu einem überregionalen Konflikt ausgeweitet hat.

 

Im Jemen findet wieder einer dieser Stellvertreterkriege statt.

Saudi-Arabien für die Sunniten und der Iran für die Schiiten kämpfen um die Vormacht in der Region.

Und wir? Haben wir damit etwas zu tun?

Staaten wie die USA und Großbritannien liefern Waffen und befeuern somit die Kämpfe und auch Deutschland wird vorgeworfen, militärisches Gerät zum Beispiel an die Saudis zu liefern, das dann im Jemen zum Einsatz kommt.

 

Welche Folgen hat der Krieg für die Zivilbevölkerung?

Dramatische!

  • Die Menschen leben in Angst und Armut.
  • Der Konflikt hat bereits mehr als 10000 Menschen das Leben gekostet.
  •  Millionen haben ihre Heimat verloren, irren im Land umher. 
  • Es gibt so gut wie keine Jobs mehr. Die Preise sind explodiert. Die meisten Jemeniten können sich kaum noch Lebensmittel leisten.
  • Eine staatliche Infrastruktur gibt es nicht mehr.
  • Das Gesundheitssystem ist weitgehend zusammengebrochen. Medikamente sind Mangelware, Krankenhäuser zerstört.
  • Mehr als 3 Millionen Einwohner befinden sich innerhalb des Jemens auf der Flucht.
  • Von den insgesamt 25 Millionen Jemeniten brauchen 21 Millionen Nothilfe, 7 Millionen leiden unter akuter Mangelernährung oder sind schon verhungert.

 

 

 

Der Zivilbevölkerung steht ein brutaler Winter bevor.

Der Uno-Nothilfekoordinator warnt vor der "größten Hungersnot, die die Welt seit Jahrzehnten erlebt hat".

 

Die Lage sei nicht einmal mit der im Südsudan oder in Somalia vergleichbar.

Jetzt wütetet im Jemen auch noch die Cholera. Die Epidemie gerät wegen der kaum noch existierenden Gesundheitsversorgung und fehlender Medikamente außer Kontrolle.

 

Ganz schlimm ist, dass Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz Chlortabletten, die für die Trinkwasseraufbereitung dringend gebraucht werden, kaum noch ins Land einführen können.

Chaos, Not und Verzweiflung sind der Nährboden für Terrorismus. Der Jemen hat sich zu einer regelrechten Terrorhochburg entwickelt. Dschihadisten-Gruppen wie „Al Qaida“ und der „IS“ profitieren von der herrschenden Anarchie. Sie haben sich in einigen Regionen festgesetzt und verüben zum Teil barbarische Attentate. Die Opfer sind wieder die Jemeniten!!

 

Meine Damen und Herren!

 

In Europa haben die Politiker, haben die Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf Annäherung und Aussöhnung gesetzt.

 

Dieser Weg war oft nicht leicht, aber er erwies sich als gangbar und wirkungsvoll.

  • Er hat zu Verständigung und einer immer größeren Einigung geführt.
  • Er hat unserem von so vielen Kriegen geschüttelten Kontinent die längste Friedensepoche seiner Geschichte gebracht.
  •  

Heute erleben wir vielfach, wie diese positive  Entwicklung in Frage gestellt wird:

  • Großbritannien betreibt ohne Visionen den „Brexit“.
  • Polen, Ungarn und andere Länder im Osten von Europa stellen die gemeinsam errungenen Werte in Frage. Einige Staaten entwickeln sich zum Sammelbecken von Rechtsradikalen.
  • In Italien, Belgien und Spanien möchten sich wohlhabende Regionen letztlich zum Schaden aller von ihren Staaten  abspalten.

 

Der Erste Weltkrieg, aber auch die Kriege der Gegenwart, warnen uns vor einer Überbetonung nationaler Egoismen. Die EU hat Fehler gemacht, die heute von Populisten genutzt werden. Aber es darf kein Zurück geben zu einem Europa rivalisierender Nationalstaaten.

 Liebe Hellweger,

Wir müssen uns bewusst sein, dass wir weltweit vor immensen Problemen stehen:

  • Niemand weiß, wie die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zukünftig sichergestellt werden kann.
  • Die  Folgen des Klimawandels sind nicht abschätzbar, aber mit großer Wahrscheinlichkeit in weiten Teilen der Erde verheerend.
  • Es drohen schon jetzt Kämpfe um das Trinkwasser.
  • Die Flüchtlingskrise – 65 Millionen Menschen sind weltweit unterwegs - ist nicht gelöst.
  • Und es gäbe noch eine Vielzahl von weiteren Problemen anzuführen.  
  •  

Wir alle fragen uns, was können wir angesichts der weltweiten Probleme in unserem kleinen, beschaulichen Dorf in Hellwege für den Frieden in der Welt tun? Geht uns das überhaupt etwas an?

 

Ich meine, es geht uns etwas an und wir können auch etwas tun!

Wir alle sind aufgefordert unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten!

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.

Frieden fängt bei uns an, in unserer Gemeinde.

 

Für ein friedvolles, soziales Miteinander sind Respekt und Solidarität  und die Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen unabhängig von ethnischer Herkunft oder persönlichen Weltanschauungen entscheidend.

Das müssen wir täglich einfordern. Im Kleinen wie im Großen.

 



Grüße von Frau Pastorin Marita Meixner

Frieden braucht Mut

Liebe Anwesende an der Gedenkfeier am Volkstrauertag,

leider kann ich heute diesen Tag nicht mit Ihnen zusammen begehen.

Doch ich möchte Ihnen wenigstens auf diesem Wege herzliche Grüße übermitteln.

 

Der Volkstrauertag ruft zu Frieden und Versöhnung auf.

Frieden – das ist mehr als Abwesenheit von Krieg.

 

Dieses Deutschland im Herbst 2017 ist kein friedliches Land,

denn es breitet sich immer mehr eine aggressive Stimmung in unserer Bevölkerung aus, getrieben von der Angst zu kurz zu kommen. Die gefährliche Mischung von Engstirnigkeit und Gewalt rottet sich immer zusammen.

 

Ein Trugschluss, man könne sich raushalten, wenn man einfach wegschaut. Denn aus der Geschichte können wir lernen, dass auch Schweigen Schuld ist. Frieden muss gestaltet werden.

 

Das geht jeden und jede von uns an. Gleichgültigkeit der Mehrheit macht die Minderheit der Gewalttätigen stark. Wir brauchen neuen Mut. Und das Bewusstsein, dass die Gewaltlosen in der Mehrheit sind.

 

Hinsehen und einschreiten statt wegsehen. Dann können wir Frieden gestalten, Tag für Tag, Schritt für Schritt. Ich wünsche uns allen, dass wir diesen Mut haben.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

 

Pastorin Marita Meixner